Gedächtnisprotokoll mündliche Heilpraktiker-Prüfung

Gedächtnisprotokoll mündliche Heilpraktiker-Prüfung von Bine Schläger am 23.08.2018

Prüferin: Frau Czaplenski

Schon während ich vor dem Prüfungsraum warte, höre ich herzliches Lachen hinter der Tür. Die Aussicht auf eine lockere Atmosphäre ist schon mal beruhigend!

Ein sehr freundlicher Empfang von Fr. Czaplenski an der Tür zum Prüfungssaal; ebenso aufgeschlossen und freundlich die Begrüßung der Beisitzerin

Zunächst Formalitäten klären (Perso mit vorliegenden Unterlagen abgleichen; Info darüber, dass das Prüfungsgespräch auf Band festgehalten wird etc.)

Prüferin:
„Sie arbeiten als Physiotherapeutin, richtig? Was hat Sie denn dazu bewogen jetzt Heilpraktikerin zu werden?“
[Kurz ein paar Sätze dazu erzählt.]

„Gut. Ich werde Ihnen jetzt ein Fallbeispiel nennen und ich möchte gerne sehen, wie Sie als angehende Heilpraktikerin damit umgehen, wie Sie die Anamnese erheben, eventuelle Untersuchungen anstellen und was Sie differenzialdiagnostisch berücksichtigen müssen:

Zu Ihnen kommt ein Mann ca. Ende 50 Jahre in die Praxis und berichtet Ihnen, dass er seit einiger Zeit unter Schlafstörungen leide und er vermutet, dass er aufgrund dieser auch einen Leistungsknick an sich festgestellt habe.
Sie können gerne ihre Fragen so stellen, als sei ich dieser Patient.“

Frage nach der Körperkonstitution (stämmig oder schlank?, adipös ?? wichtig für z.B. DM II) / Hautkolorit (gerötete Haut oder Exantheme? Blässe? Schatten unter den Augen? ? BHD, Mangelerscheinungen, Zeichen von Schlafmangel etc./ Erscheinungsbild (Körperhaltung, auffällige Abweichungen des Körperbaus, Energieniveau, Stimme etc.) ? auch wegen Ausschluss eines akuten Notfalls

„Ihr Patient ist, sag ich mal, „normal“ gebaut. Ja, man sieht schon, dass er nicht genug Schlaf bekommt und er ist jetzt auch nicht der energetischste.“

Frage nach Vorerkrankungen (Bsp. wie DM, BHD etc. genannt)

„Och, da ist nichts bekannt. Einen hohen Blutdruck bekomme ich nur, wenn ich mich auf der Arbeit mal aufrege. Aber ansonsten ist da nichts.“

Frage nach Medikamenten und regelmäßigen Arztbesuchen (Hatte vergessen auch nach OPs oder kleinen chirurgischen Eingriffen zu fragen. Kann auch wichtig sein!)

„Nein, ich nehme keine Medikamente. Höchstens wenn ich mal im Winter eine Nebenhöhlenentzündung habe, oder so. Dann was Pflanzliches. Aber meine Familie geht nur zum Heilpraktiker. Ich bin nicht so der Arztgänger.“

Frage nach familären Vorerkrankungen (auch hier BHD, DM, Krebs etc.)

„Nein, da ist nichts Gravierendes. Mein Vater ist vor Jahren verstorben, aber nicht an Krebs. (Kann mich nicht mehr erinnern, was die Prüferin als Todesursache angab.) Und meine Mutter lebt heute noch. Die ist mit ihren über 80 Jahre auch noch ganz fit. Ich selber treibe ja auch Sport. Wir gehen regelmäßig zum Kegeln (Fr. Czaplenski muss selber herzhaft über diesen hammerharten „Sport“ lachen! :D ) und fahren Fahrrad.“
(„Wir“ ? Patient ist verheiratet; Sozialanamnese auch bei anderen Fallbeispielen berücksichtigen ? Wenn Patient sich aufgrund seiner Erkrankung nicht allein versorgen könnte bzw. keine Hilfe von anderen erhielte, müsste er eventuell stationär aufgenommen werden.)

Frage nach Auslandsaufenthalten (Hepatits und andere Infektions-EK berücksichtigen)

„Ich war vor einiger Zeit mit meiner Frau auf Mallorca für 14 Tage.“ (Muss wegen ihres abgedroschenen Urlaubsziels wieder lachen.)

Frage nach B-Symptomatik (Tumorgeschehen berücksichtigen)

„Nein, kein Nachtschweiß. Fieber hab ich auch nicht. Aber etwas Gewicht habe ich tatsächlich verloren. Aber wissen Sie, ich mag auch gerade nicht so essen.“

Frage nach den Ess-und Trinkgewohnheiten

„Ich esse morgens meine Scheibe Vollkornbrot, dann esse ich mittags in der Kantine was und abends hat dann meine Frau was vorbereitet. Wir essen auch gern Gemüse und Gesundes. Aber in letzter Zeit mag ich einfach nicht so recht essen.“

Frage nach Stuhl-und Miktionsverhalten (Wechsel von Obstipation/Diarrhö oder Bleistiftstuhl ? auch hier noch gezielter nach Tumorsymptomen fragen; Blutauflagerungen, Blut im Urin etc.)

„Da ist alles in Ordnung. Hab ich noch nichts bemerkt.“

Frage nach dem Beruf (Hinweis von vorhin mit dem beschriebenen Ärger auf der Arbeit aufgegriffen)

„Ich bin Abteilungsleiter beim Jugendamt und stehe einem großem Team vor. In letzter Zeit ist auch gut zu tun. Sie haben das ja sicherlich in den Medien mitbekommen, was die Vernachlässigung von Kindern angeht. Da herrscht auch bei uns Druck. Momentan weiß ich gar nicht, wie ich das alles schaffen soll! Ich mache meine Arbeit sonst mit Freude und dachte, dass ich das noch vielleicht bis 65 durchziehen könnte. Aber so… „

Frage nach der Qualität der Schlafstörungen (Einschlaf-/Durchschlafstörungen/Gedankenkarussell?)

„Einschlafen kann ich eigentlich ganz gut. Aber dann bin ich schon gegen 4 Uhr morgens wach und denke mir `Toll! Dann kannst du auch genauso gut aufstehen!` und grüble vor mich hin. Aber dann schlaf ich doch noch mal ein und eineinhalb Stunden später klingelt der Wecker. Dann fühle ich mich wie gerädert. Ich komme morgens so schwer aus dem Bett und überhaupt nicht in die Gänge. Erst gegen Mittag oder Nachmittag wird es besser.“

Frage, ob die Frau mal darauf hingewiesen hat, dass der Patient nachts Atemaussetzer hat.

„Sie stellen ja Fragen??! Woran denken Sie denn da?“
[Kurze Erläuterung zu Schlafapnoe und den typischen Symptomen]
„Nein, nein. Ich finde schwer in den Tag, aber dass ich kurz einnicke? Nein, das hab ich nicht. Von Atemaussetzern hat meine Frau mir auch noch nichts erzählt.“

Abschluss der Anamnese. Ich erläutere, woran ich differenzialdiagnostisch während der Anamnese gedacht habe ? wie z.B. Erkrankung der Leber, tumoröse Vorgänge, Schlafapnoe etc. Die körperliche Untersuchung habe ich irgendwie übergangen. Es wurde allerdings auch nicht nachgefragt oder im Nachhinein beanstandet.

„Was ist denn Ihre Verdachtsdiagnose?“

Ich fasse nochmal die geschilderten Symptome zusammen:
Der Patient arbeitet auf einem verantwortungsvollen Posten. Momentan ist er sehr gestresst und fühlt sich überfordert. Er kann nicht durchschlafen, fühlt sich energielos und hat keinen Appetit. Der Patient berichtet von einem Stimmungstief am Morgen, das sich zum Nachmittag/Abend hin bessert.
Ich stelle die Verdachtsdiagnose Depression evtl. Burnout.

„Wie gehen Sie jetzt weiter vor?“

Ich würde dem Patienten zunächst behutsam meine Verdachtsdiagnose erklären (Depressionen sind in der Gesellschaft immernoch „negativ“ besetzt) und ihm empfehlen zu einem Hausarzt/Allgemeinmediziner zu gehen. Dieser könnte bei Bedarf ein Rezept für ein Antidepressivum ausstellen. Bis das Mittel anschlägt, können allerdings 6-8 Wochen vergehen. Das sollte der Patient wissen. Zudem kann er mit dem Arzt besprechen, ob eine Gesprächstherapie sinnvoll ist.
(Natürlich bieten das auch HPs an, aber ich wollte vorsichtshalber komplett an den Hausarzt verweisen.)

„Gut. Welche Frage müssen Sie aber unbedingt noch ihrem Patienten stellen?“

Stehe kurz auf dem Schlauch, dann kommt aber aus der Tiefe die Eingebung! Ich muss fragen, ob der Patient aktuell selbstmordgefährdet ist.

„Und wenn der das bejahen sollte, wen rufen Sie dann?“

Oh, jeee! Wie heißt das doch gleich???!!! Den psychiatrischen Notfalldienst?

Frau Czaplenski schmunzelt.
„Den Sozialpsychiatrischen Dienst rufen Sie an. Genau. Dann erzählen Sie mir bitte noch, was sie als Heipraktikerin alles nicht dürfen.“

Keine verschreibungspflichtigen Medikamente oder Betäubungsmittel verordnen oder verabreichen; weil das Dokumentieren in den Impfpass nur Ärzte dürfen und Impfstoffe verschreibungspflichtig sind, fällt das Impfen durch den HP raus; keine Infektions-EK nach § 6, 7, 24 behandeln ; keine Geburtshilfe leisten (gilt vom Zeitpunkt der einsetzenden Wehen bis nach dem Wochenbett); keine Zahnheilkunde betreiben, keine Röntgenaufnahmen machen; keine Heilkunde im Umherziehen betreiben

„Da gibt es noch eine Menge anderer Sachen, die Sie nicht dürfen, aber diese waren mir schon die wichtigsten. So, Frau Schläger, dann stoppen wir mal die Aufnahme, und ich freue mich Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie jetzt Heilpraktikerin sind.“

Totale Freude und Erleichterung!!!!

Zusammengefasst kann ich sagen, dass die Leute vom Prüfungsamt sehr freundlich sind. Auch die Helfer bei der schriftlichen Prüfung waren aufgeschlossen und haben für Leichtigkeit gesorgt. Einer Prüfung wird viel Anspannung genommen, wenn gelacht wird. Die Prüfer in der Mündlichen haben auch einen langen Vormittag und freuen sich, wenn die Prüflinge mitlachen oder selber gar scherzen. Das ist eine Wohltat für beide Seiten. Ich bin dankbar, dass ich von einer schönen Prüfungsatmosphäre und ganz vielen, liebevollen Gedanken getragen wurde. Ihr schafft das auch! Ihr wisst viel, Ihr könnt viel und das dürft Ihr gerne zeigen! In diesem Sinne wünsche ich Euch weiterhin Zuversicht, Vertrauen und Erfolg für Eure letzten Etappen!

Eure Bine :) ))

Lieber Olli,

danke, danke, danke für 3 wunderbare Jahre! Dir ist oftmals lieber, wenn der Dank an den Schöpfer gerichtet wird. Aber auch Deine Arbeit ist wertvoll und verdient absolut Anerkennung. Ich habe voller Vertrauen gesucht und Deine Schule gefunden. Eine Bauchentscheidung und eine absolut richtige Entscheidung! Du teilst mit uns Dein Wissen, das auch über heilpraktische Themen hinausgeht, hörst uns geduldig zu, wenn wir im Unterricht mit alltagsnahen Beispielen um die Ecke kommen und begrüßt Informationen oder Erfahrungen Deiner Schülerinnen und Schüler, wenn diese aktiv zum Unterricht beitragen möchten.
Dein Konzept zum Bestehen der schriftlichen Prüfung hat mir geholfen, die erste Hürde zu meistern. Und auch die Einzelstunden vor der mündlichen Prüfung waren für mich wichtig, um mich auf die letzte Etappe vorzubereiten. Mit Zuversicht und Vertrauen bin ich gesprungen und jetzt fliege ich!
Ich danke auch Euch, meine tollen Mädels und Wolfgang [ ;) ], für die schöne gemeinsame Zeit im Unterricht, Euer Daumendrücken und Eure liebevollen Gedanken, die ebenfalls zum Bestehen meiner Prüfungen beigetragen haben!
Und natürlich geht auch ein Dank an Lilly, den wohl empathischsten und entspanntesten Praxishund auf diesem Planeten.

- Bine Schläger

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